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Trend Thema: Trauma?!

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über den autor

Simon ist Coach,
Beziehungsexperte, Author und tätig in eigener Praxis für
Psychotherapie.

Er hilft Menschen auf ihrem Weg der Selbstverwirklichung und dabei mehr Lebendigkeit und Verbindung zu erschaffen.

Er arbeitet traumasensibel und inneres-Kind bewusst um wirklich nachhaltig, alte Muster und Dynamiken zu transformieren.

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Inhalt

Trend Thema: Trauma?!

 

Was ist Entwicklungstrauma?

Entwicklungstrauma (englisch: Developmental Trauma oder Small-T-Trauma) entsteht durch anhaltende Belastungserfahrungen in der Kindheit, insbesondere durch unzureichende emotionale Zuwendung, Bindungsstörungen und ungünstige Umgebungsbedingungen.
Anders als ein einzelnes Schockereignis (Big-T-Trauma) wirkt Entwicklungstrauma kumulativ und unsichtbar: Es prägt das Nervensystem, das Selbstbild und die Bindungsfähigkeit – häufig bis ins Erwachsenenalter. Typische Symptome sind emotionale Dysregulation, chronische Erschöpfung, Beziehungsschwierigkeiten, Hochsensibilität, Schamgefühle und ein tiefes Gefühl, »nicht zu genügen«.

Warum so viele Menschen ihr Leid nicht benennen können – und was wirklich dahintersteckt

Ich sitze einer Frau gegenüber. Mitte dreißig, klug, reflektiert. Sie hat Bücher über Trauma gelesen, kennt Begriffe wie Nervensystem und Bindungstheorie, hat Podcasts gehört. Und trotzdem sagt sie: »Aber bei mir war das doch nicht so schlimm. Meine Eltern haben mich doch geliebt. Ich wurde weder geschlagen noch missbraucht.«

Pause. Dann, leiser: »Aber irgendetwas stimmt trotzdem nicht. Schon lange nicht.«

Dieser Satz – dieses »irgendetwas stimmt nicht« – ist vielleicht der ehrlichste Satz, den ich in meiner Arbeit höre. Er klingt nach Verwirrung. Nach einem Verdacht, dem man nicht traut. Und nach dem Schmerz, den Schmerz nicht benennen zu können.

Trauma ist zum Trendwort geworden. Das ist einerseits gut – weil endlich geredet wird. Andererseits hat es etwas Verzerrendes. Denn das, wovon die meisten Menschen betroffen sind, hat wenig mit dem zu tun, was Trauma im öffentlichen Diskurs bedeutet: Krieg, Unfall, Überfall. Es ist leiser. Alltäglicher. Und sitzt viel tiefer.

In diesem Artikel möchte ich dir meine Perspektive darauf teilen – als Heilpraktiker für Psychotherapie, der seit Jahren mit Menschen arbeitet, die sich selbst nicht trauen zu sagen: »Ich habe Trauma.« Und die dennoch täglich unter seinen Auswirkungen leiden.

Die zwei Gesichter von Trauma – warum du vielleicht betroffen bist, ohne es zu wissen

In der Traumaforschung unterscheidet man heute grundlegend zwischen zwei Arten von Trauma. Nicht weil eine »schlimmer« wäre als die andere – sondern weil sie sich in ihrer Entstehung, ihrer Sichtbarkeit und ihrer Wirkungsweise fundamental unterscheiden.

Big-T-Trauma
Wenn das Leben aus den Fugen gerät

Das klassische, als »groß« bezeichnete Trauma – in der Fachliteratur oft Capital-T-Trauma genannt – entsteht durch ein einmaliges, klar benennbares Ereignis, das die normale Verarbeitungskapazität des Nervensystems überwältigt. Krieg. Vergewaltigung. Entführung. Ein schwerer Unfall. Der plötzliche Tod eines nahestehenden Menschen.

 

Das Nervensystem wird so massiv überflutet, dass es nicht in der Lage ist, die Erfahrung zu integrieren. Sie bleibt als Fremdkörper im System – und zeigt sich später als Flashback, Hypervigilanz, Schreckhaftigkeit, emotionale Taubheit. Was wir heute als PTBS diagnostizieren.

 

Dieses Trauma ist sichtbar. Für den Betroffenen, für Angehörige, für Ärzte und Therapeuten. Es gibt ein Vorher und ein Nachher. Einen erkennbaren Auslöser.

Small-T-Trauma: Das unsichtbare Erbe

Dann gibt es das andere. Das kleine, leise, sich wiederholende Trauma – das im englischsprachigen Raum als Small-T-Trauma bezeichnet wird. Es entsteht nicht durch ein einzelnes Ereignis, sondern durch ein Klima. Durch das, was dauerhaft fehlte, statt durch das, was einmalig passierte.

Entwicklungstrauma, Bindungstrauma, Beziehungstrauma – das sind die gängigen Begriffe. Und sie alle beschreiben dasselbe: Eine Kindheit, in der das Nervensystem nicht ausreichend Unterstützung, Abstimmung und Sicherheit erfahren hat.

Nicht weil die Eltern böse gewesen wären. Nicht einmal, weil sie es nicht versucht hätten. Sondern weil sie selbst nicht hatten, was sie hätten geben müssen. Weil sie in ihrer eigenen Geschichte feststeckten. Weil das Umfeld zu belastend war. Weil die Gesellschaft, in der Aufgewachsenwerden stattfand, keine emotionale Sprache hatte.


Die ACE-Studie: Zahlen, die nachdenklich machen

Die sogenannte ACE-Studie (Adverse Childhood Experiences) – eine der umfangreichsten epidemiologischen Untersuchungen ihrer Art – zeigte, dass über 60 % der Befragten mindestens eine schwerwiegende belastende Kindheitserfahrung berichteten. Mehr als 16 % sogar vier oder mehr. Entwicklungstrauma ist kein Randphänomen. Es ist der unsichtbare Hintergrund, auf dem sich das Leben der meisten Menschen entfaltet.

 

Zurück in deine Kraft, Beziehungscoaching

Woran erkennt man Entwicklungstrauma? Symptome, die leicht übersehen werden

Entwicklungstrauma tarnt sich gut. Es sieht oft aus wie ein Charakterzug, eine Eigenart, »halt so zu sein«. Selten trägt es ein Schild mit der Aufschrift »Hier bitte behandeln«.

Vielleicht erkennst du dich in einigen dieser Muster wieder – oder in jemandem, den du liebst.

  • Chronische innere Unruhe oder Erschöpfung, die sich trotz Schlaf nicht auflöst
  • Ein tiefes Gefühl, nicht zu genügen – unabhängig von äußeren Erfolgen
  • Schwierigkeiten, echte Nähe zuzulassen, oder umgekehrt: Nähe nicht loslassen zu können
  • Hochsensibilität: schnell überwältigt von Eindrücken, Geräuschen, Emotionen anderer
  • Menschen gefallen wollen – auf Kosten der eigenen Bedürfnisse
  • Probleme beim Setzen von Grenzen, oder: Grenzen, die wie Mauern wirken
  • Innere Leere, die mit Arbeit, Essen, Substanzen, Aktivismus gefüllt wird
  • Trigger: unverhältnismäßig starke emotionale Reaktionen auf scheinbar »kleine« Auslöser
  • Chronische Schamgefühle: ein tief verwurzeltes »Ich bin falsch so, wie ich bin«
  • Körperliche Symptome ohne klaren organischen Befund: Migräne, Verdauungsprobleme, Rückenschmerzen, Erschöpfungszustände
  • Selbstsabotage bei Dingen, die wirklich wichtig sind
  • Das Gefühl, im eigenen Leben zuzuschauen statt es zu lebe

Diese Liste ist nicht vollständig. Und kein einzelner Punkt ist für sich allein ein Beweis.
Es geht um das Muster, um die Dichte, um das anhaltende Gefühl: Da ist etwas,
das mich schon lange begleitet – ohne dass ich wüsste, woher es kommt.

 

 

Wenn du magst, halte einen Moment inne.

Welches dieser Muster klingt vertraut? Nicht mit dem Kopf analysieren – einfach spüren, ob etwas in dir leise »ja« sagt. Keine Wertung. Nur Beobachten.

 

Warum sich so viele Menschen mit Trauma missverstanden fühlen

Die vielleicht häufigste Erfahrung, die Menschen in meiner Arbeit teilen: Sie wurden nicht verstanden. Nicht von Ärzten, die keine organische Ursache fanden. Nicht von Therapeuten, die sagten, es sei doch »gar nichts Schlimmes passiert«. Nicht von Eltern oder Partnern, die meinten: »Du warst doch immer so sensibel.«

Und vor allem: Sie haben sich selbst nicht verstanden. Weil der Schmerz da ist – aber kein Name dafür. Weil die Reaktionen unverhältnismäßig erscheinen. Weil man funktioniert, während man innerlich zerbricht.

Das Problem liegt in einem kollektiven Missverständnis davon, was Trauma ist.

Trauma ist nicht das Ereignis. Trauma ist das, was im Nervensystem zurückbleibt, wenn ein Erlebnis nicht vollständig verarbeitet werden konnte. Es ist eine Antwort des Organismus auf Überwältigung – nicht ein Makel der Persönlichkeit.

Und Entwicklungstrauma entsteht nicht durch das, was passiert ist – sondern oft durch das, was nicht passierte. Kein ausreichendes Gespiegeltwerden. Kein Willkommen-Sein in der eigenen Emotionalität. Kein »Ich sehe dich wirklich.«

»Das Wesen von Trauma ist Disconnection – Abgetrenntheit. Die eigentliche Frage lautet: Wie haben wir uns getrennt – und wie finden wir wieder zurück?« – Gabor Maté

Diese Abgetrenntheit – von sich selbst, vom eigenen Körper, von anderen – ist die stille Signatur des Entwicklungstraumas. Sie erklärt, warum so viele Menschen Selbstwertarbeit betreiben, Affirmationen wiederholen, Bücher lesen – und sich trotzdem nicht wirklich anders fühlen. Weil die Wurzel tiefer liegt als der Verstand.

Das Kind findet einen Weg: Überlebensstrategien und Lebensphasen

Kein Kind kann seine Bezugspersonen als fehlend oder überfordert erleben – und trotzdem überleben. Zumindest nicht emotional. Stattdessen tut das kindliche Nervensystem das Klügste, was es tun kann: Es passt sich an.

Diese Anpassungsstrategien – in der Psychologie als adaptive Überlebensstrategien bezeichnet – sind keine Störungen. Sie waren Lösungen. Brillante, lebensrettende Lösungen für ein Kind in einem System, das ihm nicht gab, was es brauchte.

Das Problem: Diese Lösungen von damals sind die Probleme von heute.

Die Lebensphase entscheidet mit

Je nachdem, in welcher Entwicklungsphase die Unterbrechung stattfand, bilden sich unterschiedliche Muster aus. Nicht als feste Schubladen – sondern als Schwerpunkte, als besonders sensible Wunden.

 

NARM-StilEntwicklungsphaseKernbedürfnisKlassik-ÄquivalentKerndilemma / Glaubenssatz
CONNECTIONPränatal – 6 Mo.Existenz / VerbindungSchizoid (W. Reich)»Ich habe kein Recht zu existieren.«
ATTUNEMENTGeburt – 1,5 J.Bedürfnisse / ZuwendungOral (Lowen/Reich)»Ich habe kein Recht, meine Bedürfnisse zu erfüllen.«
AUTONOMY1,5 – 4 J.Autonomie / GrenzenMasochistisch (Reich)»Wenn du mich wirklich kennst, magst du mich nicht.«
TRUST2,5 – 4 J.Vertrauen / AbhängigkeitPsychopath (Lowen)»Wenn ich nicht kontrolliere, werde ich missbraucht.«
LOVE-SEXUALITY3 – 6 J. + PubertätLiebe / HerzöffnungRigid / Hysteroid (Reich)»Wenn ich mich nicht zuerst zurückziehe, werde ich abgewiesen.«

In der traditionellen Charakterlehre – von Wilhelm Reich über Alexander Lowen bis zur klassischen Psychoanalyse – tragen diese Muster pathologisierende Etiketten wie »oraler Charakter«, »schizoider Charakter« oder »masochistischer Charakter«. Sie beschreiben ähnliche Dynamiken, aber durch eine andere Linse.

 

Was den modernen Ansatz hier auszeichnet: Er beschreibt keine Charakterfehler, sondern das Fehlen einer Kernressource – und die Überlebensstrategie, die entstand, um damit umzugehen. Nicht »du bist oral«, sondern: »In deiner frühen Kindheit wurde das Bedürfnis nach Zuwendung nicht ausreichend gespiegelt – und du hast gelernt, deine Bedürfnisse klein zu machen.«

 

Das ist kein kosmetischer Unterschied. Es verändert die therapeutische Haltung fundamental.

 

Eine Frage für dich.

Welches Kernbedürfnis aus der Tabelle spricht dich an? Nicht weil du dich diagnostizieren willst – sondern weil hinter jedem Bedürfnis ein Mensch steckt, der es nicht bekommen hat. Was wärst du, wenn dieses Bedürfnis damals wirklich gehört worden wäre?

 

Wenn Glaubenssätze das Selbstwertgefühl blockieren: Der Kern ist unberührt

Hier liegt eines der tiefsten Missverständnisse in der Persönlichkeitsentwicklung – und einer der Gründe, warum klassische Selbstwertarbeit so oft im Leeren läuft.

Wir sind nicht kaputt. Wir sind verdeckt.

 

Der Kern – das, was in uns weiß, dass wir gut sind, liebenswert, verbunden – ist nicht zerstört worden. Er ist überlagert. Von Schutzschichten, die als Kind lebensnotwendig waren: Glaubenssätzen, Überzeugungen, Verhaltensmustern, die sagten: »So musst du sein, um sicher zu sein.«

 

📊 Das Zwiebelschalen-Modell des Selbstwerts

⚡ ÄUSSERE SCHICHT: Symptome & Verhalten

Rückzug · Perfektionismus · Wutausbrüche · Klammern · Überarbeiten · Erschöpfung

🛡 SCHUTZSCHICHT: Adaptive Überlebensstrategien

»Ich muss Leistung bringen.« · »Ich darf keine Schwäche zeigen.« · »Wenn ich nicht gebe, werde ich verlassen.«

🧠 GLAUBENSSCHICHT: Tiefe Überzeugungen

»Ich bin nicht genug.« · »Nähe ist gefährlich.« · »Meine Bedürfnisse sind zu viel.« · »Wenn du mich wirklich kennst, magst du mich nicht.«

💔 WUNDE: Nicht erfüllte Kernbedürfnisse

Kein Recht zu existieren · Kein Recht auf Bedürfnisse · Kein Recht auf Grenzen · Kein Recht auf Verbindung und Liebe

✨ KERN: Das gesunde Selbst – unberührt

Verbindung · Lebendigkeit · Würde · Neugierde · Liebesfähigkeit · Authentizität

 

Die gute Nachricht: Der Kern lässt sich nicht zerstören. Nur verdecken.

Diese Schutzschichten entstanden nicht aus Schwäche. Sie entstanden aus Intelligenz. Ein Kind, das gelernt hat: »Wenn ich meine Bedürfnisse zeige, werde ich abgelehnt« – hat richtig reagiert. Es hat sich angepasst, um Bindung zu sichern.

Der Kernkonflikt des Entwicklungstraumas lautet: Authentisch sein ODER Bindung sichern. Als Kind war das kein Dilemma, das man lösen konnte. Man wählte das Überleben.

Und im Erwachsenenleben trägt man diese Wahl weiter – ohne zu merken, dass man längst wählen könnte.

Der sichere Bindungsstil, bild von mutter und kind

Entwicklungstrauma und Bindungsmuster

Kein Mensch, der heute an Beziehungsproblemen, an Verlustangst, an Rückzugsimpulsen oder an dem permanenten Gefühl leidet, sich anzupassen, ohne wirklich da zu sein – kann ohne die Bindungstheorie wirklich verstanden werden.

John Bowlby, der britische Psychiater, der die Bindungstheorie begründete, formulierte es so: Die Fähigkeit, enge Bindungen einzugehen – als Kind, als Jugendlicher, als Erwachsener – ist kein Luxus der menschlichen Psyche. Sie ist ihre biologische Grundlage.

Was in der frühen Kindheit gelernt wurde – wie Nähe sich anfühlt, ob Vertrauen möglich ist, ob der eigene Ausdruck willkommen war – prägt sich als inneres Arbeitsmodell ein. Als eine Art unsichtbare Landkarte der Beziehungswelt.


Die Bindungsmuster im Überblick

BindungsmusterUrsprung (Kindheit)Im Erwachsenenleben
SicherFeinfühlige, verlässliche Bezugsperson. Grundvertrauen vorhanden.Gesunde Selbstregulation. Bindungen gelingen. Konfliktfähigkeit.
Ängstlich-ambivalent (Präokkupiert)Unberechenbare Bezugsperson – mal nah, mal distanziert.Klammern, Eifersüchtig, Hypervigilanz, Angst vor Verlust. Schwierigkeiten, allein zu sein.
Vermeidend (Dismissiv)Emotional unavailable Eltern, Bedürfnisse wurden ignoriert.Distanz als Schutz. Rückzug bei Nähe. Schwierigkeiten, Hilfe anzunehmen.
Desorganisiert (Ungelöst)Bezugsperson = Quelle von Angst und Schutz zugleich. Oft Trauma.Widersprüchliche Impulse: Nähe suchen und gleichzeitig fliehen. Dissoziation.
Ängstlich-vermeidend (Fearful Avoidant)Kombination: Grundsehnsucht nach Nähe UND tiefe Verlustangst.»Push-Pull«-Dynamiken. Tanz auf der Rasierklinge. Beziehungen fühlen sich gefährlich an.

Was hier deutlich wird: Kein unsicheres Bindungsmuster ist ein Charakterfehler. Keines entsteht aus freiem Willen. Alle sind Antworten auf das, was in der frühen Beziehungsumwelt vorhanden war – oder eben nicht.

 

Das desorganisierte Bindungsmuster – entstanden, wenn die Bezugsperson gleichzeitig Quelle der Angst und des Schutzes war – ist dabei besonders eng mit Entwicklungstrauma verknüpft. Der Organismus steckt in einem unlösbaren Dilemma: Annähern oder Fliehen? Der Impuls, beides gleichzeitig zu tun, endet in Starre, Dissoziation, Chaos.#

 

Wenn du einen Moment hast:

Welches Bindungsmuster klingt vertraut? Nicht als Diagnose – sondern als Einladung, zu verstehen: Das, was in Beziehungen schwierig ist, hat einen Ursprung. Und einen Weg hinaus.

 

Warum klassische Ansätze oft scheitern – und was wirklich hilft

Ein Missverständnis, das ich in meiner Arbeit immer wieder begegne: Menschen, die jahrelang in Therapie waren, die Bücher geschrieben hätten mit den Einsichten, die sie erworben haben – und die trotzdem im gleichen Muster feststecken.

»Ich weiß alles darüber. Ich kapiere es im Kopf. Aber es ändert sich nichts.«

Das liegt nicht an mangelndem Willen. Und es liegt nicht an schlechten Therapeuten. Es liegt an einem grundlegenden Missverständnis davon, wo Trauma sitzt.

Trauma sitzt nicht im Verstand. Es sitzt im Nervensystem. Im Körper. In den vorbewussten Reaktionsmustern, die schneller sind als jeder Gedanke. Kognitive Einsicht allein – so wertvoll sie ist – kann diese Muster nicht auflösen.

Was stattdessen hilft, sind Ansätze, die Körper und Beziehung einbeziehen. Die nicht fragen »Warum bin ich so?«, sondern »Was braucht mein Nervensystem, um sich sicher zu fühlen?«


Was wirksame Arbeit
mit Entwicklungstrauma kennzeichnet

  • Nervensystem-Orientierung: Regulierung vor Verarbeitung – erst Sicherheit, dann Tiefe
  • Ressourcen-Fokus: Nicht nur auf das Schwierige schauen, sondern auf das, was bereits gesund ist
  • Beziehung als Heilungsmedium: Eine wirklich sichere therapeutische Beziehung ist selbst ein korrigierendes Bindungserlebnis
  • Körperintelligenz: Was der Körper trägt, muss auch vom Körper losgelassen werden dürfen
  • Keine Retraumatisierung durch Wiederholung: Traumatische Inhalte müssen nicht »durchlebt« werden – das Nervensystem braucht Integration, keine Überschwemmung
  • Scham-Sensibilität: Tiefes Entwicklungstrauma sitzt fast immer in Scham – in dem Glauben, falsch zu sein. Ein therapeutisches Gegenüber, das das hält, ohne zu urteilen, ist oft mehr wert als jede Technik

Es gibt heute eine Reihe wirksamer Ansätze für diesen Weg: EMDR, Somatic Experiencing, Internal Family Systems, das Innere-Kind-Modell – und das Neuroaffektive Beziehungsmodell (NARM), das besonders präzise mit den frühen Überlebensstrategien und ihrer Wirkung auf das gegenwärtige Erleben arbeitet.

Was sie alle teilen: Sie behandeln Trauma nicht als Defekt, sondern als angepasste Reaktion auf eine überfordernde Umgebung. Die Arbeit besteht nicht im Reparieren von etwas Kaputtem – sondern im Befreien von etwas, das lange schützend war und jetzt einengt.

Der Weg hinaus:
Was möglich ist – und warum er Zeit braucht

Ich werde häufig gefragt: »Kann Entwicklungstrauma wirklich heilen?«

Meine ehrliche Antwort: Es kann sich grundlegend verändern. Ob man das »Heilung« nennt, ist fast eine philosophische Frage. Die Narbe verschwindet nicht. Aber sie hört auf, das Leben zu steuern.

Was möglich ist:

  • Der Nervensystem-Zustand, in dem man lebt, weitet sich aus – mehr Kapazität für das volle Spektrum des Lebens
  • Beziehungen fühlen sich weniger gefährlich an – weil der Körper gelernt hat, dass Nähe nicht automatisch Verlust bedeutet
  • Die Überlebensstrategien lösen sich nicht auf – aber man kann sie bemerken, bevor sie übernehmen
  • Scham verwandelt sich langsam in Selbstmitgefühl – nicht durch Willensentscheidung, sondern durch wiederholte Erfahrung
  • Der eigene Kern wird zugänglicher – Lebendigkeit, Neugier, Spontaneität kehren zurück

Dieser Weg ist nicht linear. Er ist nicht schnell. Und er braucht fast immer eine haltende Beziehung – einen Therapeuten, Coach oder eine therapeutisch erfahrene Person, die als regulierendes Gegenüber wirken kann.

 

Denn das, was durch Beziehung verletzt wurde, kann nur durch Beziehung wieder heilen. Das ist keine romantische Metapher. Das ist Neurobiologie.

»Die spontane Bewegung in uns allen zielt auf Verbindung und Gesundheit. Gleich wie zurückgezogen wir geworden sind: Es gibt in jedem Menschen auf der tiefsten Ebene einen Impuls in Richtung Verbundenheit.« – Dr. Laurence Heller

 

Was ich täglich in meiner Arbeit erlebe – und was mich nach all den Jahren noch bewegt: Die Menschen, die sich getraut haben hinzuschauen, die sich erlaubt haben zu sagen »Ich brauche Unterstützung« – sie finden etwas, das sie nicht zu kennen glaubten: sich selbst.

Nicht perfekter. Nicht traumafrei. Aber lebendiger. Echter. Mehr bei sich.

Häufige Fragen zu Entwicklungstrauma (FAQ)

Ist Entwicklungstrauma dasselbe wie PTBS?

Nein. PTBS (Posttraumatische Belastungsstörung) beschreibt klassischerweise die Reaktion auf ein singuläres, überwältigendes Ereignis. Entwicklungstrauma hingegen entsteht kumulativ – durch anhaltende Belastungserfahrungen in der Kindheit. Die ICD-11 kennt inzwischen die Komplexe PTBS (cPTSD) als eigenständige Diagnose, die dieser Unterscheidung Rechnung trägt.

Bin ich »traumatisiert«, wenn ich keine schlimmen Ereignisse in der Kindheit hatte?

Entwicklungstrauma entsteht oft nicht durch das, was passiert ist – sondern durch das, was nicht da war. Fehlende emotionale Abstimmung, Unsichtbarkeit, chronischer Druck, emotionale Unzugänglichkeit der Eltern: Das reicht aus. Du musst kein klar benennendes Ereignis haben, um betroffen zu sein.

Kann ich das ohne Therapie überwinden?

Selbstkenntnis, Bücher, Podcasts und bewusste Lebensgestaltung können viel bewegen – aber Entwicklungstrauma sitzt tief im Nervensystem und in Beziehungsmustern. Wirksame Arbeit braucht fast immer ein regulierendes menschliches Gegenüber. Das muss kein jahrelanger Prozess sein – aber es braucht Begleitung.

Was ist der Unterschied zwischen einem Coach und einem Therapeuten in diesem Bereich?

Therapeuten (insbesondere Heilpraktiker für Psychotherapie oder approbierte Psychotherapeuten) arbeiten mit klinisch relevanten Symptomen, können diagnostizieren und sind für die Behandlung schwerer Traumata ausgebildet. Coaches arbeiten häufig ressourcenorientierter mit dem »Weg nach vorne«. In meiner Arbeit verbinde ich beides – mit einem klar traumasensiblen Rahmen.

Wie lange dauert die Arbeit mit Entwicklungstrauma?

Es gibt kein universelles Zeitfenster. Frühe und tiefe Prägungen brauchen oft länger als oberflächliche Muster. Was ich in meiner Praxis sehe: Menschen, die mindestens 8–12 Sitzungen konsequent dranbleiben, erleben fast immer spürbare Veränderungen – im Nervensystem, in Beziehungen, im Selbsterleben.

Wenn du jetzt weißt: Das bin ich.

Dann ist das kein schlechter Moment. Auch wenn er sich vielleicht unangenehm anfühlt.

Das, was du bisher als Charakterschwäche, als Empfindlichkeit, als »immer so zu sein« eingeordnet hast – es hat möglicherweise eine Geschichte. Eine Logik. Und: einen Weg aus ihr heraus.

In meiner Arbeit begleite ich Menschen, die genau dort stehen. Nicht mit Patentrezepten. Nicht mit Versprechungen. Sondern mit dem aufmerksamen, warmherzigen Blick auf das, was da ist – und was möglich ist. Wenn du spüren möchtest, ob eine Zusammenarbeit für dich passt: Ein kostenfreies Klarheitsgespräch ist der erste Schritt.



Alles Liebe,

Simon

Ich bin Simon Karim Frembgen – traumasensibler Coach für Selbstverwirklichung, Beziehungsexperte, Autor und tätig in eigener Praxis für Psychotherapie.

Die Beziehungen, die wir führen – und auch die, die wir nicht führen können oder vermeiden – zeigen uns oft sehr deutlich, wie unser Bindungssystem geprägt ist.
Gerade im Kontakt zu anderen Menschen werden unbewusste Muster spürbar.

 

Das kann herausfordernd sein, denn auch unsere Schutz- und Bewältigungsstrategien wirken hier stark mit. Das Fundament unserer Beziehungsfähigkeit lässt sich auf drei wesentliche Säulen zurückführen:

 

1. Liebevoller Selbstkontakt – die Fähigkeit, sich selbst zu spüren und wahrzunehmen,
was gerade gebraucht wird.

 

2. Gefühlsarbeit & Emotionsregulation – die Fähigkeit Gefühle zu fühlen ohne etwas
damit zu tun und ein neuer Umgang mit Stress, Schmerz und Überforderung.

 

3. Beziehungsvertrauen – das Vertrauen, dass Verbindung möglich ist,
ohne sich selbst zu verlieren oder verletzt zu werden.

 

Diese drei Säulen können – unabhängig von früheren Erfahrungen – bewusst entwickelt und gestärkt werden und sind fester Bestandteil meiner Arbeit und meiner
5 Phasen der Traumaheilung.

 

Bindung ist nicht nur ein Ergebnis der Vergangenheit. Sie ist auch eine Entscheidung 

im Hier und Jetzt – und ein Weg zurück zu Dir selbst.

 

Infos zu meiner Vita und Vision findest du hier: Wer ist Simon Karim?

Wenn du an Traumaarbeit und der Auflösung von alten Mustern und Beziehungsdynamiken interessiert bist, empfehle ich dir auch mal hier auf meine Seite zur NARM-Therapie zu schauen:

 

NARM zur Lösung von Bindungstrauma

Die Arbeit mit dem „Neuroaffektiven Beziehungsmodell“ für viele Menschen ein Hauptbaustein zur Veränderung der Bindungsdynamik. NARM ist ein relativ neuer Ansatz der von dem Amerikaner Laurence Heller entwickelt wurde.

 

Ich selber arbeite auch als NARM-Therapeut und wenn du neugierig bist,
kannst du hier mehr erfahren: https://simonkarim.de/narm-therapie/

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